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Aus bisher zwei Standesämtern wird eines

Aktuelles aus der Verwaltung
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Der Markt Rohr i.NB und die Verwaltungsgemeinschaft Langquaid haben sich getraut. Zum 1. April 2017 übernimmt das Standesamt der VG Langquaid auf Wunsch der Nachbargemeinde im übertragenen Wirkungskreis deren standesamtliche Aufgaben. Im Rohrer Rathaus unterzeichneten Bürgermeister Andreas Rumpel im Beisein der Standesamtsleiterin Aloisia Wolf, sowie Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck zusammen mit Standesamtsleiterin Ingrid Dötzel den neuen öffentlich-rechtlichen Übergabevertrag.

Wer aus dem Gemeindegebiet Rohr standesamtliche Dienstleistungen in Anspruch nimmt, muss das ab dem 01.04.2017 im Langquaider Rathaus vornehmen. Das haben die Gremien beider Gemeinden in ihren Ratssitzungen am 29.11.2016 beschlossen, der Standesamtsbezirk Rohr i.NB wird in den Langquaider eingegliedert. Beurkundungen von Geburten, sofern es eine Hausgeburt ist, Eheschließungen, Namensänderungen, Beischreibungen nach Adoptionen, Begründungen von Lebenspartnerschaften, Sterbefälle, Vaterschaftsanerkennungen, Personenstandsänderungen, Kirchenaustritte usw. werden künftig im VG-Standesamt Langquaid durchgeführt.

Standesamtlich heiraten ist aber auch weiterhin in Rohr möglich. Diese Serviceleistung war für Rohrs Bürgermeister Rumpel, der vor seiner Wahl zum Bürgermeister als Standesbeamter bei der Stadt Regensburg bestellt war, besonders wichtig aufrechtzuerhalten. „Viele Gemeindebürger identifizieren sich gerne mit unserer Heimatgemeinde. Sie legen deshalb Wert darauf, sich in Rohr das „Ja-Wort“ zu geben. Deshalb war es für den Marktgemeinderat und für mich selbstverständlich, dass wir diese Dienstleistung auch nach einer Standesamtszusammenlegung unseren Bürgerinnen und Bürgern weiterhin anbieten können“. Demnach sind Trauungen und Begründungen von Lebenspartnerschaften bei gleichgeschlechtlichen Paaren auch in Rohr wie bisher möglich und zwar wochentags während der regulären Öffnungszeiten. Statt bisher an zwei Samstagen im Monat werden in Rohr nach derzeitigem Stand nur mehr an einem Samstag Trauungen möglich sein. Das liegt daran, dass die Standesbeamten der VG auch in Langquaid an Samstagen Trauungen anbieten und im Vertretungsfall bei Urlaub und Krankheit auch in Rohr rasch präsent sein müssten. Diesen Service an jedem Samstag in beiden Gemeinden anzubieten ist personell einfach nicht möglich, so sind sich die Verantwortlichen in beiden Gemeinden einig. Heiratswillige Paare können sich demnach sowohl im Rohrer, wie auch im Langquaider Trauzimmer trauen, denn einen Zwang in einem bestimmten Standesamt in Deutschland zu heiraten gibt es generell nicht.

Leicht gemacht haben sich Bürgermeister, Verwaltung und Marktgemeinderat in Rohr die Entscheidung zur Standesamtsabgabe allerdings nicht. Entsprechend erfolgte die Unterzeichnung des Übernahmevertrages schon mit Wehmut auf Rohrer Seite, besonders für Aloisia Wolf, die heuer auf 36 Jahre Standesamtstätigkeit zurückblicken kann, denn schließlich gibt man in Rohr etwas Eigenes auf unbestimmte Dauer ab. Die Gründe für die Standesamtsübertragung liegen in der Wirtschaftlichkeit des Standesamtsbetriebs und der künftigen Personalsituation im Rohrer Rathaus. Standesamtsleiterin Aloisia Wolf wird in den kommenden Jahren in Ruhestand gehen, die Vertretung befindet sich seit Längerem im Krankenstand. Um den Dienstbetrieb im Standesamt gewährleisten zu können sind in der Praxis mindestens drei Standesbeamte notwendig. Denn ein Personenstandsregister elektronisch zu führen, ist für manche nur mit wenigen Mitarbeitern besetzte Verwaltung gar nicht so einfach. Es gibt viele technische Richtlinien zu beachten, ebenso Bestimmungen des Datenschutzes. Das ist zum einen ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, und es kostet obendrein noch eine Menge Geld. Effizient ist das freilich nicht immer. In vielen Gemeinden geht die Zahl der Trauungen aus den verschiedensten Gründen zurück. In Rohr haben sich im Schnitt zehn bis zwölf Paare im Jahr getraut, die meisten werktags. Auch muss man wissen, dass ein Bürger nur einmal in zehn Jahren statistisch gesehen aufs Standesamt geht. Demgegenüber stehen hohe Kosten für Fortbildungsmaßnahmen, den Kauf entsprechender Fachlektüre oder die Aktualisierung der Software.

Die Ausbildung zum Standesbeamten ist freilich nicht einfach. Neben den fachlichen und persönlichen Voraussetzungen ist eine mindestens halbjährige Mitarbeit im Standesamt erforderlich, um überhaupt den Grundkurs für Standesbeamte besuchen zu können. Bis ein Standesbeamter einigermaßen selbständig und rechtssicher arbeiten kann vergehen viele Monate, oftmals ein bis zwei Jahre, denn das Personenstandswesen gehört zu den umfangreichsten Rechtsgebieten einer Verwaltung, wo sich beinahe täglich neue Rechtsprechungen ergeben, die von den Standesbeamten gekannt werden müssen. Mit Halbtagskräften, die dann zusätzlich noch weitere Rechtsgebiete abdecken sollen, sei ein Standesamt in der heutigen Zeit nicht mehr zu führen, so Rumpel, „denn man muss sich vorstellen, dass eine Halbtagskraft nach einer Woche Fortbildung eine weitere Woche die entstandenen Überstunden abfeiern muss. Das Gleiche gilt für Urlaubs- und Krankheitsvertretungen.

Für die Mitführung des Rohrer Standesamtes bezahlt der Markt Rohr an die VG Langquaid jährlich rund 15.000 EUR. Der Betrag bemisst sich nach der Einwohnerzahl und beinhaltet sämtliche Verwaltungs-, Personal-, EDV- und Lizenzkosten im Standesamtswesen. „Ich freue mich, dass wir mit der VG Langquaid einen passenden Partner für das Standesamtswesen gefunden haben, mit dem wir diese für beide Gemeinden gute Lösung erzielen konnten“, bilanziert Bürgermeister Rumpel zusammenfassend.

Bürgermeister Herbert Blascheck betonte bei der Vertragsunterzeichnung, dass er sich sehr freue, dass sich der Markt Rohr für Langquaid entschieden habe. Gleichzeitig bedankte er sich auch für das Vertrauen. Das Standesamt Langquaid werde künftig auch den Rohrer Bürgern einen umfangreichen und kompetenten Service bieten. Unsere Standesbeamten werden mit Kompetenz, Fachwissen und Freundlichkeit in bewährter Weise offen auf die Wünsche und Anliegen eingehen und in allen Fragen und Belangen zur Seite stehen, versicherte der Langquaider Bürgermeister. Das Standesamt Langquaid erbringt bereits jetzt Dienstleistungen für die ca. 9.000 Bürger der Verwaltungsgemeinschaft Langquaid und wird ab 1. April 2017 dann für über 12.000  Menschen „Servicezentrum“  im dann auf den Markt Rohr ausgeweiteten Standesamtsbezirk sein. Personell ist das Standesamt Langquaid bereits darauf ausgerichtet. Für Eheschließungen stehen neben dem modernen Trauungszimmer im Rathaus auch ein Trauungsraum im Dachgeschoss des historischen Kastnerhauses zur Verfügung. Besonders wichtig sei es auch ihm, so Herbert Blascheck, dass die Rohrer auch künftig in ihrer Heimatgemeinde im eigenen Trauungszimmer heiraten können.

Der Gedanke der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Langquaid und Rohr ist nicht ganz neu. Beide Gemeinden waren Initiatoren der gemeindlichen Zusammenarbeit in der ILE Donau-Laber. Erst im Sommer haben beide Gemeinden ein erstes Kehrgerät für den gemeindlichen Bauhof beschafft und sich die Kosten geteilt. Es geht also auch darum, sich gegenseitig zu helfen und Kosten für beide Seiten zu sparen. Rohr und Langquaid sind hier ein weiteres Positivbeispiel, wie gemeinschaftliches Arbeiten aussehen kann.

Zuletzt geändert am: 2.12.2016

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